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Birgit Müller-Wieland

Presse | Auswahl

 

über: "Flugschnee"

...Es gibt Bücher, die das Leben verändern. Nicht nur ein bisschen, sondern von Grund auf, für immer. Eines dieser Bücher ist „Die Ästhetik des Widerstands“ von Peter Weiss. Für die Figur Vera aus dem Roman „Flugschnee“ ist es lebensentscheidend. (…) Flugschnee“ greift anhand von Figuren aus drei Generationen sehr viele Themen mehr oder weniger beiläufig auf, vom fordernden Alltag mit Kindern über Homosexualit&äuml;t bis hin zum Altwerden. Das alles beherrschende Thema ist jedoch die Frage, wie Familien mit ihren „Leichen im Keller" umgehen, und das ist durchaus wörtlich zu verstehen. Es ist die Frage: „Wenn unsere Vorfahren uns neben dem üblichen Genmaterial auch ihre Verletzungen und Traumata vererben: Was bedeutet das für unsere Leben? Unsere Träume?“ Diese Frage stellt sich die Berliner Studentin Lucy, Tochter der Bildhauerin Vera. Sie hat gerade einen Artikel über Epigenetik gelesen: „Kann ein Kind sich an das erinnern, was die Eltern vergessen haben?“ Das ist eine Frage, die sie tief bewegt, denn Lucy versucht herauszufinden, warum ihr älterer Bruder Simon spurlos verschwunden ist; warum dieser Bruder schon als Kind von schlimmen Träumen heimgesucht wurde; und warum etwas in ihrer Familie schon immer irgendwie anders war: „Es war etwas zwischen den Erwachsenen, etwas Ungreifbares.“ In „Flugschnee“ jedenfalls wird deutlich, dass die Verstrickungen der Vergangenheit auch Auswirkungen auf die Gegenwart haben. Bereits der Titel deutet es an: Flugschnee ist laut Wikipedia sehr feiner Schnee, der durch das Dach in ein Haus gelangen kann. Im Roman ist denn auch die Rede von etwas Nassem, das ins Familienhaus einsickert, „eine Art feuchte Wut“. Was da vor sich hin schimmelt, wird im Verlauf der spannenden Lektüre erst allmählich sichtbar. Denn die Protagonisten können oder wollen sich nicht erinnern an einen Weihnachtstag vor vielen Jahren, an dem ganz kurz ein Geheimnis gelüftet wurde, das mit Schuld zu tun hat, mit Scham: Die Studentin Lucy war damals noch zu klein, um etwas abzuspeichern. Ihre Großmutter wiederum kann die Vergangenheit nur bruchstückhaft hervorholen: „Jede Erinnerung, die ihr zuflog aus dem Nebel, in das sich ihr Denken zuweilen verirrte, war wertvoll und musste ausgekostet werden. (…)
Antje Weber, Süddeutsche Zeitung, Juli 2017

..."Flugschnee" ist ein kunstvoll gebauter Familienroman, der vier Generationen in einem spannungsreichen Handlungsgefüge zueinander in Beziehung setzt. 
(…) Die Autorin erzählt uns diese Familiengeschichte nicht in einem stringenten, chronologisch aufgebauten Plot. Vielmehr legt sie die Handlungselemente wie Mosaiksteine auf, in Zeitsprüngen, scheinbar assoziativ, fragmentarisch und aus wechselnden Perspektiven. Leser mit Konzentrationsschwächen könnten bisweilen den roten Faden verlieren. Müller-Wielands Erzählverfahren hat aber Methode und Konsequenz. Vom Schluss her betrachtet erschließen sich die gestalterischen Linien dieses anspruchsvollen, stilistisch sehr schönen und menschlich berührenden Romans. Birgit Müller-Wieland wertet und verurteilt nicht, sie macht uns das verletzende und verletzliche Mängelwesen Mensch etwas verständlicher – und das ist viel!
Christian Schacherreiter, Oberösterreichische Nachrichten, Juni 2017

...In ihrem Roman „Flugschnee“ erzählt Birgit Müller-Wieland eindrücklich, welche Löcher das Verschwinden in das Leben der Zurückgebliebenen reißen kann (…)
Nicht nur für Müller-Wieland, die über “Die Ästhetik des Widerstands” promoviert hat, ist Weiss ein wichtiger Autor, sondern auch für ihre Figuren: für Vera, der die “Ästhetik” den Weg nach Berlin und zur Arbeit als Bildhauerin wies, für die demenzkranke Großmutter, der das Buch “Straße und Plätze ihrer Kindheit zurückgeholt” hat, “und die Erinnerung an die warme Vaterhand, die sie festhielt, sonntags im Pergamonmuseum”, und indirekt auch für die Familiengeschichte der Großelterngeneration zwischen Faschismus und der Suche nach dem moralisch “richtigen” Verhalten. 
Auf gewisse Weise ist Weiss` Roman auch prägend für Müller-Wielands Erzählprinzip: Am Beginn der “Ästhetik” beschreibt Weiss den Pergamonaltar als fragmentiertes Gewimmel von Objekten, von Menschlichem und Tierischem. Es ist erst der Blick aus der Distanz, der es ermöglicht, die Gesamtkomposition des Reliefs zu erfassen. Ähnlich verhält es sich mit den Erinnerungen der Figuren, die sich Mosaikstückchen ähnlich langsam zum Bild dieser Familie und ihrer Geschichte zusammensetzen lassen.
Johanna Öttl, Die Presse, Mai 2017

...Das Sich-Erinnern ist ein großes Thema bei Birgit Müller-Wieland, davon zeugen die zahlreichen Rückblenden, die den Roman durchziehen. Erinnerungen sind hier jedoch stets etwas Fragiles, Unsicheres – bei Lucy, weil sie noch zu klein war, um sich an die Ereignisse im Haus der Großeltern zu erinnern; bei Helene, weil sie an einer beginnenden Demenzkrankheit leidet, vieles durcheinanderbringt und ein Gefühl von Schneeflocken im Kopf hat…
Der Schnee, dem der Roman auch seinen Titel verdankt, ist eines der vielen Motive, die ihn wie ein roter Faden durchziehen. Er steht stets für etwas Unheilvolles, besonders für den alles verändernden tief verschneiten Dezembertag, seit dem die Familienmitglieder versuchen, dem Schnee aus dem Weg zu gehen.
Obwohl sich die Handlung – trotz vieler „Cliffhanger“ – eher langsam und ohne Hektik entwickelt, wird die Spannung durch das rasche Alternieren der beiden Handlungsstränge während der gesamten Lektüre kontinuierlich hochgehalten…
Verena Resch, drehpunktkultur.at, Mai 2017

über: "Reisen Vergehen"

...Birgit Müller-Wieland macht sich in "Reisen Vergehen" auf den Weg; zeitlich durch mehr als 30 Jahre, räumlich nach Georgien, Patmos, Salzburg, Bad Aussee oder Neapel. Oder die Welt kommt in ihre Nachbarschaft. In ihrem wohl aktuellsten Gedicht beschreibt sie die beiden Gegenbewegungen in ihrer Nachbarschaft: Flüchtlinge schleppen ihre Habe in die Zelte, besorgte Eingeborene ihre Habe in den Keller. Müller-Wieland verdichtet gekonnt die prekäre Idyllik einer trauten Existenz.
Dominika Meindl, Kulturbericht OÖ, Juni 2016

...Immer reist uns der Tod hinterher / wenn wir uns sommers in Abenteuer / stürzen ins wildgewordene Meer / von Patmos wo weder Gott uns erreicht / noch Teufel aber das Telefon / mit Mutterstimme bröckelnd die Zeitungsnotizen / und apokalyptisch ...“ Reisen entblößen hier ihre dunkle, erschreckende Seite, auch in der „Skizze: Floß der Medusa“: „Irgendwann wurden wir selbst / zu Schiffchen und die Sonne webte / glühende Fäden durch unser Auf und Ab ... Das Meer starrte uns an / riesiges graues Auge // Salz und Hohn“. Müller-Wieland beweist eine feinsinnige Arbeit am Text. Souverän lotet sie in kraftvollen und eindringlichen Bildern die Ambiguität unseres Daseins aus, in denen Beängstigendes plötzlich das Glück verstellt. Mit großem Gespür für die Sprache zeigt sie irritierende Blickwinkel auf das Leben. Es lohnt sich, sich auf diese Lyrik näher einzulassen.
Maria Renhardt, Furche-Booklet, April 2016

...Roman, Erzählung, Lyrik, Hörspiel, Libretto – die gebürtige Oberösterreicherin füllt fast jede Textform mit Leben. In ihrem neuen Lyrik-Band vereint sie Gedichte aus über zwei Jahrzehnten und es sind einige Perlen dabei. (...) Erinnerungen an Kindheit und Jugend in Oberösterreich und Salzburg stellen einen Schwerpunkt dar. Dabei fliegen auch mal die Großmütter als Schatten der Erinnerung vorbei. Oder andere Engel zwischen Leben und Tod. Natur und Verlust spielen eine Rolle.(….) auch aktuelle politische Ereignisse von Krieg und Flucht. Der Wert von Kunst kann sich nur steigern, wenn sie politisch Stellung bezieht und aufrüttelt.
GaH, WeiberDiwan, Sommer 2016

...Wenn im Rückenwind der Geschichte Alltag aufsprüht –
Birgit Müller-Wielands Gedichte „Reisen Vergehen“
Andrea Heuser, Signaturen, September 2016  lesen

über: "Der Froschkönig"

...Birgit Müller-Wieland machte aus dem Grimmschen „Froschkönig“ ein hinreissendes, zeitgemäß reimendes deutschsprachiges Libretto...
Alexander Strauch, kultur-vollzug.de

über: "Der kleine Ring"

...Die Librettistin Birgit Müller-Wieland hat die bekannten Geschichten mit Witz und Charme in die Wirklichkeit von Kindern und Jugendlichen übertragen. Viele lustige Gestalten kommen in der Geschichte vor: Robotrolle, Insekten, Wildschweine, Nixen, Riesen, Drachen und vieles mehr, was zu einem richtigen Märchen dazugehört. Und so ist ein völlig neues Werk entstanden, mit phantasievoller Musik und Liedern, die sicherlich bei den Kindern zu "Ohrwürmern" werden können...
BR Klassik

...Wo Richard Wagner für die Erzählung seines „Ring des
Nibelungen“ volle vier Abende braucht, da reichen beim „Kleinen Ring“,
der jetzt in Regensburg uraufgeführt wurde, 90 Minuten. An den
Handlungssträngen des „Rheingold“ und des „Siegfried“ orientiert sich
dessen Librettistin Birgit Müller-Wieland und vermeidet in ihrer
kindgerechten „Märchen“-Version allzu Drastisches. Weder gibt es bei
ihr einen Drachentod noch eine „Götterdämmerung“, an deren Stelle die
Abdankung eines Märchenkönigs samt Hofstaat tritt. Ein Geist der Leichtigkeit trägt Birgit Müller-Wielands Fassung des Stoffs „für den Nachwuchs“, die zugleich in der technisierten Welt von heute ankommt, wenn Wagners Alberich zum roboterhaften Troll „Alpha-Strich“ mutiert.
Gerhard Dietel, MZ   vollständige Kritik

über: "Wohin auch immer"

...Alle verlangen nach dicken Romanen: die Verleger. Rezensenten, Buchhändler und -käufer. Dabei gibt es kurze und kurzweilige Erzählungen, die eine ganze Romanwelt auf wenigen Seiten konzentrieren. Birgit Müller-Wieland schreibt solche Erzählungen, und sie beherrscht schon die Kunst des ersten Romansatzes: "Vor einigen Wochen habe ich begonnen, farbig zu träumen." Oder: "Mein Vater verschwand etwa gleichzeitig wie der Begriff saurer Regen."
Stets ist man gleich mittendrin im Geschehen, das einem Bruch, einem Aufbruch, der Lösung eines Konfliktes entgegeneilt. Nach und nach wird diskret, mit wenigen Andeutungen, fein ausgelegten Fäden die Vorgeschichte des Dramas eingeholt, das sich gerade jetzt, in der Gegenwart der Erzählung, ereignet. Die elf Geschichten handeln von Liebe, also von der Sehnsucht und der Enttäuschung, von den Riten des Verbergens, den Techniken des Verrats, aber auch vom niemals preiszugebenden Anspruch auf Glück. Die Autorin erzählt behutsam mit verhaltender Expressivität. Birgit Müller-Wieland, 1962 in Oberösterreich geboren, in München lebend, ist keine der bekanntesten, aber eine der besten Autorinnen ihrer Generation.
Karl-Markus Gauß, Neue Zürcher Zeitung, 04. März 2010

...Vollkommen ungezwungen und daher umso kunstvoller stellt Müller- Wieland der Vielzeitigkeit des Lebens nach [...], und obwohl es Alltagssituationen sind, die beschrieben werden, mit ungeheuerlicher Originalität. [...]
Mein persönlicher Favorit ist die "Traunseenovelle", eine Kurzgeschichte par excellence. [...] Von den ersten Zeilen an weiß man, es gibt ein Geheimnis, muß eins geben, und wird gleich mit mehreren belohnt [...] Ein Buch, das zu kurz wirkt, ist genau richtig.
Andrea Grill, Literatur und Kritik, August 2010

...Die Textur, die Verflechtung der zeitlichen und perspektivischen Ebenen ihrer Erzählungen erzeugen eine Art von Sog, der es nicht leicht macht, die Lektüre ihrer Erzählungen zu unterbrechen. Besonders deutlich etwa in der Erzählung "Warum Neapel". Müller-Wieland beherrscht das Schreibhandwerk bestens. Ihre Sprache ist auf eine komplexe Weise unauffällig, durchsichtig hin auf das Erzählte - eine durchaus lyrische Leistung.
Dominika Meindl, Kulturbericht OÖ, April 2010

...Die Erzählungen leben von Andeutungen, von Handlungen, die im
Verborgenen stattfinden, oder nur von Wünschen und vom Unterbewussten, das den Personen manchmal wie das Klingeln des Handys in den Rücken
fährt. Ein Phantomschmerz macht sich breit und muss unterdrückt werden, denn es geht doch um Verletzungen, die man ausgerechnet den Personen zufügt, die man liebt. [...] Nur wenn die Menschen das Schweigen überwinden, können sie zueinander finden und das demonstriert die Autorin in Erzählungen, die vom Kranksein, vom Alter und vom Sterben handeln. Sie lässt Großmutter und Enkelin ("Erzähl mir was Schönes") in einer Symbiose auftreten, in der die Enkelin eine Eigenständigkeit erlangt, die dennoch die Innigkeit mit der Großmutter nicht zerstört, oder sie lässt einen alten Mann im Gespräch mit einem Engel sehr realistisch über das Sterben räsonieren ("Mein Engel"). Birgit Müller-Wieland zeigt wie Leben und Sterben ineinanderwirken und dass das Ende gar nicht so unendlich weit vom Leben entfernt ist, wenn man nicht die Augen davor verschließt. In immerhin zwei Erzählungen gibt es auch ein kleines Glück, das sich nach einer langen Talfahrt der Gefühle durchsetzt. Ein Glück, das Beziehungen durchwächst, die sich nicht verstecken müssen. Perfekt ist der Ausdruck wiedergewonnener Lebensfreude in der Titelerzählung "Wohin auch immer" ebenso wie der sprühende Witz in "Warum Neapel?"
Silvia Sand, www.literaturhaus.at

über: "Die Farbensucherin"

...Birgit Müller-Wielands Farbensucherin ist ein Glücksfall, wo eine schlanke, verknappte Prosa von manchmal märchenhafter Leichtigkeit ihre eigene Welt aufbaut. ... ein kräftiger Beweis, daß Prosa mehr ist als Erzählen. ... Eine Autorin ist zu entdecken, die neugierig macht und noch viel erwarten läßt. Cornelius Hell, Literatur und Kritik

...Was am Stil ... zuerst auffällt, ist die dichte Bildlichkeit ihrer Sprache. Die Autorin sprengt die gängigen Bezüge der Wörter und schafft so neue, starke Bilder, die in ihrer sinnlichen Eindringlichkeit bestechen. ... Thematisch kreist die Autorin in ihrer Prosa um Gewalt und Sex, Liebe und Älterwerden und um die neueste deutsche Geschichte. Doch was jetzt nach ganz normalen, gängigen Themen klingt, wird von Birgit Müller-Wieland auf eine ganz besondere Art und Weise verarbeitet. Mehr assoziativ als direkt-realistisch dringt der Inhalt einer Geschichte zum Leser durch. ... So erzeugt sie in ihm Bilder, die durch ihre märchenhafte Surrealität Raum schaffen für Phantasie. Dadurch transportiert sie, ohne dass man weiß, wie einem geschieht, furchtbare Tatsachen wie sexuellen Missbrauch oder Gewalt in der Familie auf die Gefühlsebene des Lesers.
NDR, Radio3, Maren Rose

...Ihre Figuren, Räume und Sujets verändern laufend ihre Gestalt, als würden sie magische Spiegel passieren oder durch die verblassenden Gemälde der Moderne wandern. ... Birgit Müller-Wielands Prosa lodert an allen Ecken und Enden: jeder Satz eine Sensation, eine expressive Geste, eine irritierende Metapher....
Lutz Hagestedt, Süddeutsche Zeitung

...Müller-Wieland erzählt sehr sensibel und sehr poetisch. Längst Vertrautes wird durch fremde Blicke wieder anzweifelbar, die Welt dadurch wieder größer. Franz Zeller, ORF Salzburg

über: "Ruhig Blut"

Manche dieser Gedichte lesen sich wie Erinnerungen an den Expressionismus ("Die Buchstaben sind rot/ zum Mond/gesprungen"), viele lassen, schlicht gesagt, aufhorchen, etwa dann, wenn vom "hellen Kreischen des Granit" unter dem Meißel der Bildhauerin die Rede ist oder im Gedicht "Vatergrab" dieses Schlußbild entsteht: "Dein Grab bin ich/ und Würmer meine Worte". Dazu gleich das Gegenstück: "Unser Haus ist verbarrikadiert/in Stille" ("Mutterhaus"). Wer so schreibt, ist in der Tat berechtigt, in ein, zwei Gedichten an Sylvia Plath zu erinnern, eine Dichterin, die auf so bedrückende Weise dem Leiden an der hermetischen Existenz des spätmodernen Menschen ihre Stimme geschenkt hatte.
Was spricht aus Müller-Wielands Gedichten? Die kategorische Aufforderung: Du sollst deine Art der Wahrnehmung ändern
Rüdiger Görner, Die Presse

...Die aus Österreich stammende Birgit Müller-Wieland findet köstliche Heimatbilder - etwa für Salzburg: Abends wird die Sonne an den Dom genagelt/ es flackert im Flug/ der Hitlergott hinter der Stirn." Besonders in der geografischen, von Prag bis Vietnam schweifenden Abteilung begründet unterschwellige Empörung den Titel ihres ersten Gedichtbandes.
Der Tagesspiegel, Berlin

...Unzweifelhaft akzentuieren diese Gedichte, dass es kein Haus, keine Heimat gibt, welche Schutz und Unterschlumpf zu bieten vermögen gegen böse Engel und deren irdische Abgesandte. Tod und Verfall im Kerker des Seins: So körperlich, so unheimlich bedrängend Birgit Müller-Wieland die vanitas mundi aus dem trüben Licht einer Nachtsonne schält, sucht diese unsentimentale Stimme zurzeit ihresgleichen.
Christiane Zintzen, Neue Züricher Zeitung

..."Die Gratwanderung von "Ruhig Blut" verdient Respekt: Red roses for a blue lady!" Erich Klein, Falter, Stadtzeitung Wien

....Was diese Gedichte vor allem auszeichnet und eine ebenso unüberlesbare wie unaufdringliche Klammer bildet, ist die stete Anwesenheit der Welt, der Zeitgeschichte [...] Beeindruckend, wie es Birgit Müller-Wieland in drei vierzeiligen Strophen gelingt, Gesicht und Geschichte des Salzkammerguts einzufangen [...] - dem ist nichts hinzuzufügen, außer dem Rat, diese Gedichte zu lesen ".
salge, Vorarlberger Nachrichten

...Müller-Wieland berichtet in einer expressiven, an großen Vorbildern geschulten und gleichzeitig eigenständigen Sprache von Privatem stets so, dass es nie nur privat klingt, und dabei gelingen ihr Sätze, die hängen bleiben.... Ein Buch, das mit dem ersten Gedicht viel verspricht und es mit den folgenden Texten scheinbar spielend einlöst.
Christoph Janacs, Literatur und Kritik

Assoziationen, die zum Teil sehr schmerzlich treffen, dann wiederum wunderbar leuchten oder sanfte, zärtliche Bilder entstehen lassen. Dichtkunst zwischen Erschrecken und Heiterkeit.
fs, OÖ-Nachrichten

....Gewöhnliche Sprache kann das, was wir "Welt" nennen, nur oberflächlich beschreiben. Wir brauchen die Poesie, um den Dingen auf den Grund zu gehen. Es sind dann bloß Schwingungen, die in Gedichten wahrgenommen werden. Einen schönen Versuch in diese Richtung unternahm die gebürtige Schwanenstädterin Birgit Müller-Wieland. [...] Und doch auch orgiastisches Dasein, stets im Zeichen der Vergänglichkeit. Immer wieder das Bild des Grabes, Vergangenes wird vernehmbar. Nachts steigen die Toten aus den Gräbern. Wir dürfen sie nicht stören. Die Toten flüstern, und sie könnten dies in der Sprache Müller-Wielands tun.
pic, Oberösterreichische Nachrichten

Beeindruckend an Müller-Wielands Gedichten ist, daß ihnen weder schwülstige Emotionalität noch eine jede Artifizialität verschmähende Sprache eignet. Jenseits des alten Gegensatzes zwischen realistischer und hermetischer Schreibweise pflegt die Autorin einen Stil, der die äußerliche Beobachtung mit der Entfaltung einer subjektiven Gefühlswelt vereinbart. [...] Ihre Sache sind poetische Bilder, die - um es mit Adorno zu sagen - "weder an den Faltenwurf noch an den Stammtisch sich verraten, weder an die Brusttöne noch ans Schmatzen". Dabei fand sie einen eigenen Ausdruck, der in der gegenwärtigen Lyrik kaum seinesgleichen hat. [...] Vielleicht das auffälligste Merkmal der meisten Gedichte ist jedoch ihre Sensibilität für die Brüchigkeit einer scheinbaren Idylle, für die mitunter bestürzende Gleichzeitigkeit von Glück und Unglück in einer medial zum Dorf geschrumpften Welt.
Arnd Beise, www.literaturkritik.de

Was die Gedichte [...] vor allem auszeichnet, ist ihr Interesse an Konkretem. Trotz hoher subjektiver Aufladung verliert sie die Welt nie aus den kritischen Augen.[...] Ihre Stärke ist dieses Lapidare: Plötzlich steht irgendwo ein Stolperstein. Es kann als Gedicht über Silvester beginnen: "Mit weichen Händen begraben wir das Jahr" - geht über das Ritual des Wünschens, um dann am Schluß überraschend, und ohne Ankündigung, bei einem anderen, noch offenen Grab zu enden- "Tote Väter sterben nie". Gedichte, die so Haken schlagen, kann man ruhigen Blutes weiterempfehlen.
Karin Cerny, www.literaturhaus.at

über: "Das neapolitanische Bett"

....This jigsaw of a novel - thriller if you like - is a study in identity, war and revenge, with an operatic setting Fellini would have had a field day with. A complex, absorbing read.
www.new-books-in-german.com

...Der oberösterreichischen Germanistin und Schriftstellerin Birgit Müller-Wieland ist mit ihrem Debutroman ein Buch gelungen, das einen von der ersten Seite an das Flair von Neapel spüren lässt - kaum zu glauben, dass die Autorin keine Neapolitanerin ist.
ORF Steiermark

"Oben der Krater karg und kahl wie zu erwarten schauten wir / kurzatmig ins Land hinein Kyme Herculaneum Pompeji / verschwimmende Städte in dicker Luft die oben war" - bereits in ihrem 2002 bei Haymon erschienen Gedichtband "Ruhig Blut" wird die Faszination, die vom Vesuv und seinem Umland auf die in Berlin lebende gebürtige Oberösterreicherin Birgit Müller-Wieland ausgeht, deutlich. Hier spielt auch ihr Debutroman, der mit viel Lokalkolorit und Ortskundigkeit gut in das stark nach Italien ausgerichtete Programm des Wagenbach Verlages passt. "Als der Schuß fiel, den niemand hören konnte, der über die Piazza schlenderte oder den Geschäften und Verabredungen des frühen Abends entgegeneilte ..." Der erste Satz des Prologs beginnt mit dem Schluss wie ein analytisches Drama. Eine archaische Form also, passend zur Umgebung und suggerierend, dass was geschildert wird, eine alte Geschichte sei. Bei dem Roman handelt es sich nur vordergründig um eine spannende Kriminalgeschichte im Milieu der neapolitanischen Camorra, letztlich legt Müller-Wieland nahe, die Camorra sei überall. Im Mittelpunkt steht ein Hotel namens Navicella. Auf Italienisch meint das einen Korb, "navicella spaziale" bezeichnet eine Raumkapsel. Dieser Korb - die Assoziation mit dem Korb des Mose, für den die hebräische Bibel dasselbe Wort wie für Arche verwendet, drängt sich auf - ist das Zuhause der vier Hauptpersonen, die allesamt irgendwie auf der Flucht hier unter einem gemeinsamen Dach leben. Es sind Menschen, denen das Leben übel mitgespielt hat, die aus Diktatur, Armut, gewalttätigen Unterdrückungsmechanismen Zuflucht suchen. Padrone ist Signor Ignazio, ihm zur Seite stehen die drei Hausangestellten Assunta, Concetta und Bianca, sie alle haben in diesem Haus eine neue Identität angenommen. Überhaupt geht es im Leben der Protagonisten recht wild zu. Da gibt es neben den schon erwähnten Personen eine Pasticceria-Besitzerin im Rollstuhl, die davor als Politikergattin eine Affäre mit einem Mafioso hatte, eine Journalistin, die eigentlich keine ist, einen Kriminellen, der Weihnachtsdekorationen verkauft, eine Mutter, die eine Camorra-Familie leitet usf.. Es könnte jemand einwenden, das sei alles ein wenig zu viel des Guten, wäre da nicht Signor Ingnazio, von dem es heißt "Die eine Hälfte saß in Neapel. / / Die andere an einem Tisch in Lemberg." Ignazio alias Lucio alias Ombra alias Ignaz Schweiger ist das Kind eines jüdischen Lehrers, Wehrmachtssoldat, Mitglied und später Opfer der Camorra, er bietet mit seiner abenteuerlichen Geschichte Birgit Müller-Wieland die Möglichkeit, einen Zusammenhang zwischen historischen und gegenwärtigen Fluchtbewegungen aufzuzeigen. Dieser Versuch, Gemeinsamkeiten zwischen den durch die Zeitläufte erzwungenen oder auch selbst gewählten Verwandlungen und Identitätswechseln der Kriegsgeneration in Europa und gegenwärtigen Vorgängen nachzuzeichnen, scheint mir allemal bemerkenswert. Birgit Müller-Wieland hat für ihre bisherigen Bücher, den Erzählband "Die Farbensucherin" und den erwähnten Band mit Gedichten durchwegs gute Kritiken erhalten. Vor allem werden ihre kühne Metaphorik und ein ihr eigener Ton gelobt. Auch der Erstlingsroman ist sprachlich interessant. Überzeugend schildert Müller-Wieland etwa, wie Ignazio nach und nach von seiner deutschsprachigen Identität eingeholt wird. Immer wieder erreicht der Roman eine geradezu lyrische Dichte. Die vielen kursiven Hervorhebungen, die vermutlich auf Bedeutungen aufmerksam machen wollen, kommen vielleicht nicht nur bei mir als etwas unnötige Didaktik an, aber wer Freude an literarischen Anspielungen hat, wird von Vergil über Dante bis in die italienische Literatur der Gegenwart fündig werden. Wirklich schade, dass das Lektorat auch Sätze wie diesen durchgehen ließ: "Assunta, Bianca, Concetta klebten ihre Blicke an seinen Rücken."
Helmut Sturm, www.literaturhaus.at

"Das neapolitanische Bett" verweigert das Verschlingen. Dieser Traum, dieser Alptraum ist eine Kost für aufmerksame Leser, für Spurensucher, und obwohl er mit einem Schuss beginnt, fast kein bisschen Kriminalroman. Die Kunst der Autorin besteht darin, die eigentümliche Sprache durchzuhalten, was über weite Strecken gelingt, manchmal aber zu weit führt. Andererseits gelingt es ihr, die vielen Motive durch den Text zu ziehen, ohne am Ende alles platt aufzulösen. Müller-Wieland schließt so bedeutungsvoll, wie sie begonnen. Und der Leser wacht auf und reibt sich die Augen".
Brigitte Schwens-Harrant, Die Presse/spectrum

...Ungewöhnlich ist der Roman, weil sein Neapel ein Bild unserer Innenwelt ist, ein Terrain, wo überall Verbindungsgänge in Räume der Vergangenheit sich auftun, in eine Unterwelt der Grotten und Labyrinthe. Das neapolitanische Bett ist ein Zeit- und Erinnerungsroman. Seine Hauptfigur, Signor Ignazio, ist in dieser Gedächtnis-Topografie zu Hause. Doch er selbst war bisher ein Meister im Vergessen. [...] Mit feiner Ironie wird diese Neugeburt und Auferstehung des alten Mannes in den Bildern neapolitanischer Kunstwerke gespiegelt oder vom katholischen Kalender begleitet."
Hans Höller, Der Standard

...Wunderbar steht die feine Sprache der Autorin in scharfem Kontrast zu dem manchmal recht groben Geschehen. [...] Ihr Umgang mit Sprache und großen Themen ist souverän, und im Neapolitanischen Bett verzaubert ihr von Neapel leicht verklärter Blick auf die Wirklichkeit erst einmal das Publikum in einem sensiblen, spannenden Debüt, das noch viel erwarten läßt.
Harald Loch, Nürnberger Nachrichten

 

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